Umstrukturierung
Müller Fleisch hält dagegen!
Freitag, 07. November 2025 - Lebensmittelzeitung - Von Dirk Lenders
Im Gerangel zwischen Westfleisch und Premium Food Group um die süddeutschen Standorte von Vion wird eine Regionalmacht oft übersehen: die Müller Fleisch-Gruppe. Sie will ihre Position mit neuer Organisation, guten Beziehungen zu den Erzeugern und einem Investitionsplan festigen.
Volle Konzentration auf das eigene Unternehmen, das ist die Marschrichtung der Müller-Gruppe. An den Spekulationen zur Zukunft der Vion-Schlachthöfe im Süden Deutschlands beteiligt sich das Familienunternehmen mit Standorten in Baden-Württemberg und Bayern bewusst nicht. Doch mit einer neuen Unternehmensstruktur wappnet sich der Fleischvermarkter gegen die Expansion der westfälischen Großschlachter Westfleisch und Tönnies in sein Stammgebiet. Im ersten Halbjahr ist das offenbar gelungen. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe 11 Prozent mehr Schweine verarbeitet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und auch ihre Position bei Rindfleisch festigen können.
In der Region positioniert sich Müller als verlässlicher Partner der Agrarwirtschaft und der Kunden. "Wir sind der familiengeführte Produzent von hochwertigem Fleisch in Süddeutschland", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Müller mit Hinweis auf das Leitbild des Unternehmens. Die Landwirtschaft brauche Müller als großen privaten Vermarkter im Süden seit 60 Jahren. "Wir haben die Wertschöpfung und den Marktzugang", merkt sein Bruder Martin im Gespräch mit der Lebensmittel Zeitung an. Kunden im Lebensmittelhandel, in Gastronomie und Weiterverarbeitung im In- und Ausland schätzten Müller als leistungsfähigen Lieferanten.
Eigeninitiative über alle Standorte hinwegfördern
Seit April arbeitet die Müller-Gruppe mit einer neuen Führungsstruktur, denn die Position als Regionalmacht war in den vergangenen Jahren ins Wanken geraten. Dazu trugen die Marktauswirkungen der Afrikanischen Schweinepest und der Corona-Pandemie ebenso bei wie der Strukturwandel bei den Landwirten sowie höhere Lohn- und Energiekosten. Zusammen mit sinkenden Schlachtzahlen und hohen Investitionen führte das zu Verlusten. Vor zwei Jahren startete die MÜLLER GRUPPE deshalb mit einer Unternehmensberatung die Arbeit an einer neuen Unternehmensstruktur, die in mehreren Strategieworkshops erarbeitet wurde. "Das war zum richtigen Zeitpunkt, die Branche stand unter Druck", betont Stefan Müller.
Ziel der Neuaufstellung war es, Eigeninitiative über alle Standorte und Unternehmensteile hinweg zu fördern und sich an die sich verändernden Märkte anzupassen.
Ein zentrales Ergebnis ist die Neuausrichtung des Vertriebs: Anstelle des Wettbewerbs zwischen den einzelnen Betrieben, wie ihn Firmengründer Horst Müller bewusst gefördert hatte, setzt das Unternehmen nun auf eine gemeinsame Marktbearbeitung. Früher habe beispielsweise jeder Standort sein eigenes Exportgeschäft betrieben, heute übernehme ein Spezialist diese Aufgabe für die gesamte Gruppe, erklärt Jörg Geiger, der im Zug der Veränderungen die Verantwortung für den Vertrieb der gesamten Unternehmensgruppe auf nationaler und internationaler Ebene übernommen hat.
Investitionen sind "vollständig durchfinanziert"
Den Einkauf für die Sparte Rind und die Logistik teilen sich Martin Müller und Stefan Roßmann, während Stefan Müller den Einkauf für die Sparte Schwein übernommen hat. Die gesamte Führung wird durch ein Steuerungsgremium strategisch begleitet, das von Rolf Michelberger geleitet wird.
Geiger sieht die Entwicklung positiv: "Wir leben die Müller-Gruppe, heben Synergien, vernetzen uns personell und nutzen unser Know-how besser." Durch Spezialisierung, bessere Steuerung und höhere Auslastung könne man im volatilen Markt bestehen. Geschäftsführer Rolf Michelberger blickt auf die künftigen Maßnahmen: "Wir haben viele gute Fachleute in der Gruppe und organisieren damit den Unterbau neu. Das kostet viel Kraft, läuft aber gut." Geiger ergänzt, man wolle die Entwicklung neuer Produkte forcieren und kreativ bleiben.
Investitionen sind ebenfalls geplant "und vollständig durchfinanziert", wie Stefan Müller mit Blick auf kritische Branchengerüchte betont. Ein Einstieg in das Wurstsegment sei nicht geplant: "Wir gehen mit unseren Kunden nicht in den Wettbewerb. Das schätzen sie."
„Wir begleiten viele Entwicklungen auf der grünen Seite und stoßen neue an“
Stefan Müller, geschäftsführender Gesellschafter
Festhalten will Müller an der Haltungsform 1 bei Schweinen. Fleisch dieser Stufe hat laut Stefan Müller als Basisqualität für die Gastronomie und im Export eine Zukunft. In der Gastronomie ist laut Geiger Regionalität wichtiger als Haltungsform. Veränderungen verschließe sich die Gruppe jedoch nicht: "Wir engagieren uns stark auf der grünen Seite, begleiten viele Entwicklungen und stoßen neue an". Einen Bonus für Tiergesundheit bei den Schweinen habe Müller bereits vor zehn Jahren eingeführt und seither weiterentwickelt.
Die Gruppe verfüge nicht nur über langjährige Verträge mit der Landwirtschaft, sondern betreibe im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie auch Projekte wie "SüdSchwein4Klima". Der dafür entwickelte Klima-Schnellcheck sei ein fester Baustein der Nachhaltigkeitsstrategie. Die Mittel für weitere Projekte wie "Biodiv-Schwein" (Nachhaltigkeit und Biodiversität in der Schweinefütterung) und "SüdRind4Klima" wurden bewilligt.
Die eigenen Markenfleischprogramme wie Müllers Landrind in den HF2 und 3werdenausgebaut.
Martin Müller: "Über langjährige Verträge sichern wir uns den Rohstoff für die Zukunft." Mehr als 70 Prozent der Rinder bezieht das Unternehmen aus Bayern und Baden-Württemberg, und mit Fleisch aus den Standorten Bayreuth und Ulm beliefert Müller auch McDonald's. "Das macht uns zu einem Garanten für eine regionale Wertschöpfungskette für Rind- und Schweinefleisch", ist Stefan Müller überzeugt.
Foto: Müller Gruppe - Geschäftsführung: Martin und Stefan Müller (hinten l. und r.) mit Rolf Michelberger, Jörg Geiger, Johannes Frey, Stefan Roßmann, Stephan Lange und Frederik Görtz.
